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Die Konterlattung ist ein zentrales Element in der Dach- und Fassadenkonstruktion, das zur Verbesserung der Belüftung und zur sicheren Befestigung von Deckmaterialien dient. Sie bildet eine zweite, quer zur Traglattung verlaufende Lattenebene, die sowohl funktionale als auch bauphysikalische Anforderungen erfüllt. Im modernen Holzbau ist sie unverzichtbar, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden und die Langlebigkeit der Konstruktion zu gewährleisten.
Allgemeine Beschreibung
Die Konterlattung besteht aus parallel verlaufenden Holzlatten, die in der Regel mit einem Querschnitt von 24 × 48 mm oder 30 × 50 mm ausgeführt werden. Sie wird direkt auf die Dachsparren oder die Unterkonstruktion der Fassade aufgebracht und dient als Träger für die eigentliche Traglattung, auf der später die Deckschicht – etwa Dachziegel, Metallprofile oder Fassadenplatten – montiert wird. Der Abstand zwischen den Konterlatten beträgt typischerweise 60 bis 80 cm, abhängig von den statischen Erfordernissen und der gewählten Deckschicht.
Ein wesentliches Merkmal der Konterlattung ist ihre Ausrichtung: Sie verläuft stets senkrecht zur Traglattung, wodurch ein Hohlraum zwischen der Unterkonstruktion und der Deckschicht entsteht. Dieser Hohlraum ermöglicht eine kontinuierliche Hinterlüftung, die für die Abfuhr von Feuchtigkeit und die Vermeidung von Kondensatbildung entscheidend ist. Ohne diese Belüftungsebene bestünde die Gefahr von Schimmelbildung, Holzfäule oder Korrosion metallischer Bauteile. Die Konterlattung trägt somit maßgeblich zur Einhaltung bauphysikalischer Standards bei, insbesondere in Bezug auf den Feuchteschutz nach DIN 68800-2.
Darüber hinaus übernimmt die Konterlattung eine ausgleichende Funktion: Sie gleicht Unebenheiten der Unterkonstruktion aus und sorgt für eine ebene Auflagefläche der Traglattung. Dies ist besonders bei älteren Gebäuden oder unebenen Dachflächen von Bedeutung, da selbst geringe Höhenunterschiede zu Spannungen in der Deckschicht führen können. Die Befestigung der Konterlatten erfolgt in der Regel mit rostfreien Edelstahlschrauben oder verzinkten Nägeln, um eine dauerhafte Verbindung zu gewährleisten und Korrosion zu vermeiden.
Technische Details
Die Dimensionierung der Konterlattung richtet sich nach den statischen Anforderungen und den verwendeten Materialien. In der Regel kommen Nadelhölzer wie Fichte oder Kiefer zum Einsatz, die gemäß DIN 4074-1 sortiert und getrocknet sein müssen. Die Holzfeuchte darf zum Zeitpunkt des Einbaus 20 % nicht überschreiten, um spätere Verformungen oder Rissbildungen zu vermeiden. Für besonders beanspruchte Bereiche, etwa in Regionen mit hoher Schneelast, können auch Konterlatten aus Brettschichtholz oder Metallprofilen verwendet werden.
Der Abstand der Konterlatten zueinander wird durch die Sparren- oder Ständerabstände vorgegeben. Üblich sind Abstände von 62,5 cm (bei einem Sparrenabstand von 75 cm) oder 83,3 cm (bei einem Sparrenabstand von 100 cm). Diese Maße ermöglichen eine optimale Lastverteilung und verhindern ein Durchbiegen der Traglattung. Die Befestigungspunkte der Konterlatten müssen so gewählt werden, dass sie nicht mit den späteren Befestigungspunkten der Deckschicht kollidieren, um eine sichere Verankerung zu gewährleisten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verträglichkeit der Materialien. Bei der Kombination von Holz mit metallischen Deckschichten, etwa bei Stehfalzdächern, muss eine Trennlage aus diffusionsoffenen Folien oder Vliesen eingebaut werden, um Kontaktkorrosion zu verhindern. Diese Trennlage wird zwischen Konterlattung und Traglattung verlegt und dient gleichzeitig als zusätzliche Schutzschicht gegen eindringende Feuchtigkeit.
Normen und Standards
Die Planung und Ausführung von Konterlattungen unterliegt verschiedenen normativen Vorgaben. Die DIN 68800-2 regelt den Holzschutz im Hochbau und schreibt vor, dass Holzkonstruktionen so zu gestalten sind, dass eine ausreichende Belüftung gewährleistet ist. Die DIN 18531-1 definiert die Anforderungen an nicht genutzte Dächer und verlangt eine funktionsfähige Hinterlüftungsebene, die durch die Konterlattung realisiert wird. Für Fassadenkonstruktionen ist die DIN 68800-3 relevant, die den konstruktiven Holzschutz bei Außenwandbekleidungen behandelt. Zudem sind die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu beachten, die bei gedämmten Dächern eine luftdichte Ausführung der Unterkonstruktion fordern, ohne die Belüftungsebene zu beeinträchtigen.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Die Konterlattung wird häufig mit der Traglattung verwechselt, obwohl beide unterschiedliche Funktionen erfüllen. Während die Konterlattung primär der Belüftung und dem Ausgleich von Unebenheiten dient, trägt die Traglattung die eigentliche Deckschicht und leitet deren Lasten in die Unterkonstruktion ab. Ein weiteres verwandtes Bauteil ist die Unterspannbahn, die zwar ebenfalls der Feuchtigkeitsabfuhr dient, jedoch als flächiges Material zwischen Sparren und Konterlattung verlegt wird. Im Gegensatz zur Konterlattung ist die Unterspannbahn nicht tragend und dient lediglich als zusätzliche Schutzschicht.
Anwendungsbereiche
- Dachkonstruktionen: Die Konterlattung wird vor allem bei geneigten Dächern eingesetzt, um eine Hinterlüftung der Dachdeckung zu ermöglichen. Sie ist sowohl bei Ziegeldächern als auch bei Metall- oder Schieferdeckungen unverzichtbar. Bei Flachdächern kommt sie seltener zum Einsatz, da hier andere Belüftungskonzepte, etwa durch diffusionsoffene Dachbahnen, bevorzugt werden.
- Fassadenbekleidungen: Im Bereich der vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF) dient die Konterlattung als Träger für die äußere Bekleidungsschicht. Sie ermöglicht eine gleichmäßige Belüftung der Dämmung und verhindert Feuchtigkeitsansammlungen, die zu Schimmelbildung führen könnten. Besonders bei Holzfassaden ist die Konterlattung essenziell, um eine dauerhafte Trockenhaltung des Materials zu gewährleisten.
- Sanierung und Denkmalschutz: Bei der Sanierung historischer Gebäude wird die Konterlattung häufig nachgerüstet, um moderne Anforderungen an den Feuchteschutz zu erfüllen, ohne die ursprüngliche Optik der Fassade oder des Daches zu verändern. Sie ermöglicht die Integration von Dämmmaterialien und Belüftungsebenen, ohne die charakteristische Erscheinung des Gebäudes zu beeinträchtigen.
Bekannte Beispiele
- Neubau des Berliner Stadtschlosses (Humboldt Forum): Bei der Rekonstruktion des historischen Bauwerks wurde eine Konterlattung eingesetzt, um die traditionelle Ziegeldeckung mit modernen bauphysikalischen Anforderungen zu verbinden. Die Konstruktion ermöglicht eine Hinterlüftung der Dachfläche und schützt gleichzeitig die darunterliegende Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit.
- Elbphilharmonie Hamburg: Die wellenförmige Dachkonstruktion des Konzerthauses verfügt über eine komplexe Konterlattung, die nicht nur der Belüftung dient, sondern auch die unregelmäßige Geometrie der Dachfläche ausgleicht. Die Latten wurden hier aus statischen Gründen in unterschiedlichen Querschnitten ausgeführt.
- Passivhäuser in Holzbauweise: In energieeffizienten Gebäuden wird die Konterlattung häufig mit einer zusätzlichen Dämmebene kombiniert. Sie dient hier als Träger für die äußere Bekleidung und ermöglicht gleichzeitig eine kontrollierte Belüftung der Dämmung, um Wärmebrücken und Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden.
Risiken und Herausforderungen
- Fehlerhafte Dimensionierung: Zu dünne oder zu weit auseinanderliegende Konterlatten können zu Durchbiegungen führen, die die Funktionsfähigkeit der Belüftungsebene beeinträchtigen. Dies kann langfristig zu Feuchtigkeitsschäden oder einer reduzierten Lebensdauer der Deckschicht führen. Eine statische Berechnung ist daher unerlässlich, insbesondere bei großen Spannweiten oder hohen Schneelasten.
- Unzureichende Belüftung: Wird der Hohlraum zwischen Konterlattung und Deckschicht zu klein dimensioniert oder durch unsachgemäße Verlegung der Unterspannbahn blockiert, kann sich Feuchtigkeit stauen. Dies begünstigt Schimmelbildung und Holzfäule. Die Mindesthöhe der Belüftungsebene sollte gemäß DIN 68800-2 mindestens 2 cm betragen.
- Materialunverträglichkeiten: Bei der Kombination von Holzlatten mit metallischen Deckschichten kann es zu Kontaktkorrosion kommen, wenn keine geeignete Trennlage eingebaut wird. Dies führt zu Rostbildung und kann die Stabilität der Konstruktion gefährden. Die Verwendung von Edelstahlschrauben oder verzinkten Befestigungsmitteln ist daher obligatorisch.
- Brandschutz: In Gebäuden mit erhöhten Brandschutzanforderungen, etwa in öffentlichen Einrichtungen, müssen Konterlatten aus schwer entflammbaren Materialien wie imprägniertem Holz oder Metall bestehen. Die DIN 4102-4 gibt hierzu konkrete Vorgaben für die Baustoffklassen.
Ähnliche Begriffe
- Traglattung: Die Traglattung ist die direkt auf der Konterlattung aufliegende Lattenebene, die die Deckschicht trägt. Im Gegensatz zur Konterlattung dient sie nicht der Belüftung, sondern der Lastabtragung und der Befestigung der Deckmaterialien.
- Unterspannbahn: Eine diffusionsoffene Folie, die zwischen Sparren und Konterlattung verlegt wird, um eindringende Feuchtigkeit abzuleiten. Sie ersetzt nicht die Konterlattung, sondern ergänzt deren Funktion.
- Lüftungsziegel: Spezielle Dachziegel mit integrierten Belüftungsöffnungen, die eine zusätzliche Luftzirkulation ermöglichen. Sie werden in Kombination mit der Konterlattung eingesetzt, um die Belüftungsebene zu optimieren.
Zusammenfassung
Die Konterlattung ist ein unverzichtbares Bauteil in der modernen Dach- und Fassadenkonstruktion, das durch die Schaffung einer Hinterlüftungsebene maßgeblich zur Langlebigkeit und Funktionsfähigkeit des Gebäudes beiträgt. Sie gleicht Unebenheiten aus, ermöglicht die Abfuhr von Feuchtigkeit und dient als Träger für die Traglattung. Die korrekte Dimensionierung und Verlegung der Konterlattung ist entscheidend, um bauphysikalische Probleme wie Schimmelbildung oder Holzfäule zu vermeiden. Normative Vorgaben wie die DIN 68800-2 und die DIN 18531-1 geben hier klare Richtlinien vor, deren Einhaltung für eine fachgerechte Ausführung unerlässlich ist. Trotz ihrer scheinbar einfachen Konstruktion erfordert die Konterlattung eine sorgfältige Planung, insbesondere bei komplexen Dachformen oder besonderen Materialkombinationen.
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Andere /Weitere Definition:
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