Farbsysteme in der Architektur ordnen Farben in einer standardisierten Struktur. Dies gewährleistet Einheitlichkeit, Konstanz und Kommunikationssicherheit. Auch in der Architektur spielen sie daher eine gewichtige Rolle. „Die Farbe in der Architektur, ein ebenso kräftiges Mittel wie der Grundriss und der Schnitt.“ Diese Würdigung der Farbe im Kontext der Architektur stammt von dem schweizerisch-französischen Stararchitekten Le Corbusier, einer der einflussreichsten Koryphäen seines Fachs.

Eigenschaften eines Farbsystems

Der Begriff Farbsystem bezeichnet eine Ordnungsstruktur für eine Menge von Farben. Der Wortteil „System“ ist in diesem Zusammenhang demnach als Synonym für Menge zu betrachten. Diese Farbmenge wird dann innerhalb eines Koordinatensystems als Farbraum aufgespannt. Gemäß dem Ersten Graßmannschen Gesetz, einem Gesetz der Farbenlehre, kann eine Farbe mit drei Angaben genau definiert werden. Mithilfe eines Koordinatensystems lässt sich eine Farbe somit mathematisch kodieren, was wiederum standardisierte Farbmuster und Normvereinbarungen ermöglicht. Mittlerweile existieren mehrere Farbsysteme, welche die Kodierung der Farben mit unterschiedlichen Methoden umsetzen. In der Architektur finden vor allem zwei Farbsysteme Anwendung: das Natural Colour System (NCS) und das RAL-Design-System (RAL Design).

Natural Colour System (NCS)

Das Natural Color System (NCS) ist ein Farbsystem, dessen Ursprünge in den 1930er Jahren von dem schwedischen Physiker Tryggve Johansson entwickelt wurden. Nach mehrmaligen Überarbeitungen und Erweiterungen umfasst das Farbsystem NCS aktuell 1.950 Farbtöne (Stand: März 2021). Als Basis hat das NCS 4 bunte Grundfarben – Gelb (Y), Grün (G), Rot (R) und Blau (B). Die Farbenpaare Blau und Gelb sowie Grün und Rot liegen sich in einem Farbkreis gegenüber und die aus diesen Grundfarben gemischten Farbtöne befinden sich dazwischen. Die Helligkeit, als Abstufung zwischen den Extremen Schwarz und Weiß, kommt als zweite Dimension hinzu und wird schließlich noch durch den Sättigungsgrad ergänzt. In einem dreidimensionalen Koordinatensystem wird das NCS als Doppelkegel dargestellt. Anhand der drei Komponenten lässt sich somit jeder Farbton genau kodieren, und zwar nach dem folgenden Schema:

NCS [Schwarzanteil] [Farbsättigung] – [Grundfarbe] [Anteil Mischfarbe]

Ein Beispiel für eine NCS-Kodierung ist NCS 1050 – R50B:

NCS [10% Schwarzanteil] [50% Farbsättigung] – [Rot als Grundfarbe] [50% Blau als Mischfarbe]

Das Ergebnis ist ein Violett, das zu gleichen Teilen aus Rot und Blau besteht.

RAL-Design-System (RAL Design)

Das Farbsystem RAL umfasst eine Reihe von normierten Farbsystemen und Farbkatalogen. Als historisch gewachsene Farbsammlung machte 1927 das klassische RAL-Farbensystem (RAL Classic) den Anfang. Im Rahmen der Architektur wird aber hauptsächlich das 1993 eingeführte RAL-Design-Farbsystem angewendet. Es umfasst momentan 1.625 Farben (Stand: März 2021), die in den Dimensionen Farbton, Helligkeit und Buntheit definiert werden und in einer siebenstelligen Farbnummer kodiert werden. In einem dreidimensionalen Koordinatensystem bildet der Farbraum einen asymmetrischen Farbkörper, der nach oben durch ein neutrales Weiß begrenzt wird und nach unten durch ein neutrales Schwarz. Bewegt man sich innerhalb des Farbkörpers vom Zentrum nach außen weg, nimmt die Buntheit der Farben sukzessive zu. Anhand der Farbnummer kann die jeweilige Farbe eindeutig bestimmt werden. Sie setzt sich folgendermaßen zusammen:

• Buntton: Rot (000 bzw. 360), Gelb (090), Grün (180), Blau (270)
• Helligkeit: Minimum bei Schwarz (0), Maximum bei Weiß (100)
• Buntheit: Von Grauton (0) bis Maximalwert (je nach Buntton unterschiedlich hoch)

Umgesetzt wird dieses System mit den kartesischen Koordinaten L*, a* und b*. Die a*b*-Koordinatenebene ist gemäß der Theorie der Gegenfarben aufgebaut. Auf der a*-Ebene liegen sich Rot und Grün gegenüber, während auf der b*-Achse Gelb und Blau Gegenspieler sind. L* bestimmt die Helligkeit (Luminanz).